Am 10. und 11. September 2026 fand das zweite internationale Austauschtreffen des Projekts "KuBiK" im Jugendhaus „Studio“ von Inter-Actions in Bonnevoie statt.
Im Mittelpunkt standen praktische Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Kulturellen Bildung und die Frage, wie sich kreative Methoden in der non-formalen Bildung mit jungen Menschen einsetzen lassen. Dabei ging es vor allem darum, selbst aktiv zu werden, Neues auszuprobieren und Erfahrungen auszutauschen.
Hip-Hop, Selbstvertrauen und mentales Wohlfühlen
Den Auftakt gestaltete Nicole Bausch, Hip-Hop-Künstlerin und ausgebildete Psychotherapeutin aus Luxemburg. Als Nicool rappt sie für Erwachsene und gemeinsam mit Jugendlichen, während sie als Nikki Ninja Kindern die Welt des Hip-Hops näherbringt.
In ihrem interaktiven Impulsvortrag erzählte sie, wie stark ihre persönliche Entwicklung seit der Kindheit durch Musik und non-formale Bildung geprägt wurde. Anhand konkreter Beispiele aus ihren Hip-Hop-Projekten zeigte sie, wie sie Elemente der Positiven Psychologie in ihre pädagogische Arbeit einbindet, um das Selbstvertrauen junger Menschen zu stärken.
Dabei wurde deutlich, wie kreative Angebote Raum für Gefühle und persönliche Erfahrungen schaffen, das Selbstwertgefühl fördern und jungen Menschen helfen können, ihre eigenen Stärken zu entdecken. Auf diese Weise können solche Projekte auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung der mentalen Gesundheit leisten.
Nicole Bausch betonte zudem, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit den jungen Teilnehmenden ist. Niemand sollte dazu gedrängt werden, persönliche Texte oder kreative Arbeiten vor Publikum oder online zu präsentieren. Gleichzeitig erläuterte sie die klare Abgrenzung ihrer pädagogischen Arbeit von therapeutischen Ansätzen wie der Kunsttherapie.
Kulturelle Bildung selbst erleben
Nach einer gemeinsamen Diskussion, einem interaktiven Projektupdate und der Mittagspause ging es am Nachmittag in die Praxis. In verschiedenen Workshops wurde getanzt, jongliert, gezeichnet, fotografiert, geschauspielert, moderiert und getuftet.
Die Teilnehmenden konnten dabei eine von ganz unterschiedlichen kreativen Methoden kennenlernen und selbst ausprobieren:
Die Zirkusschule Zaltimbanq lud zum Jonglieren und Acroyoga ein, während beim Tanzprojekt Kamau Bewegung und Körpereinsatz im Mittelpunkt standen.
Mit dem Comic-Künstler Joe Logelin entstanden eigene Comicstrips.
Im Workshop Instafokus des SNJ beschäftigten sich die Teilnehmenden spielerisch mit Bildgestaltung und Inszenierung in sozialen Netzwerken, ganz ohne digitale Bildbearbeitung.
CCJA und acting.lu boten einen dynamischen Einblick in die Filmschauspielerei.
Die Jugendsendung „Graffiti“ von Radio ARA öffnete ihre Studios. Hier konnten die Teilnehmenden eine Livesendung moderieren, Jingles produzieren und an einem Podcast mitwirken, der vom jungen Radiomoderator Charel Schiltz produziert wird.
Beim offenen Tufting-Angebot konnte unter Anleitung des jungen Künstlers TuffTingz den ganzen Tag über ein Teppich mit dem KUBIK-Logo gestaltet werden.
Einige Workshops wurden von jungen Co-Animator:innen begleitet. Auch die Jugendlichen des Jugendhauses konnten sich aktiv an den Angeboten beteiligen. So entstand ein lebendiger Austausch zwischen Fachkräften, Künstler:innen und jungen Menschen.
Ein interkultureller Abend
Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen im soziokulturellen Restaurant Chiche! aus. Das Restaurant beschäftigt ausschließlich Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte und unterstützt sie während des Einstiegs in den luxemburgischen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig schafft es einen Ort für interkulturelle Begegnungen.
Frau Marianne Donven, Mitgründerin des Restaurants und ehemalige Mitgründerin des Kunst- und Jugendprojekts HARIKO des Luxemburger Roten Kreuzes, erzählte mit viel Humor und persönlichen Anekdoten von der Entstehung beider Initiativen.
Einblicke in die Rotondes:
Am zweiten Tag besuchte die Gruppe die Rotondes:, zwei ehemalige Lokomotivschuppen, die heute vielseitige Kulturorte sind.
Während der Führung erhielten die Teilnehmenden Einblicke in das breite Programm des Hauses. Neben Konzerten, Konferenzen und Bühnenkunst finden hier Ausstellungen, kreative Workshops und zahlreiche partizipative Projekte für unterschiedliche Altersgruppen statt.
Ein besonderes Anliegen der Rotondes: ist es, einer breiten Masse an Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur zu eröffnen. Kulturelle Bildung wird dabei als Möglichkeit verstanden, die Welt besser zu verstehen, eigene Perspektiven zu entwickeln und gesellschaftliche Veränderungen mitzugestalten.
Gemeinsam zurückblicken und weiterdenken
Zum Abschluss kamen die Teilnehmenden im Jugendhaus „Studio“ erneut zusammen, um ihre Eindrücke und Erfahrungen aus den beiden Tagen auszutauschen. In Kleingruppen reflektierten sie die vorgestellten Methoden und diskutierten, welche Anregungen sie für ihre eigene Arbeit mit jungen Menschen mitnehmen können.
Die Erfahrungen und Ergebnisse des Austauschtreffens fließen in die "KuBiK"-Toolbox ein, die derzeit im Rahmen des Projekts für Fachkräfte der Jugendarbeit entwickelt wird.
Das abschließende Projekttreffen ist für Anfang März 2027 in Berlin geplant.
Alle Bilder können unter Angabe der Fotocredits heruntergeladen und verwendet werden: (c) Alexandre Benavente Martingil
