Literaturtipps 2015

Die Autonomen

Klaus Farin, 2015, Archiv der Jugendkulturen Verlag KG

Seit mehr als 30 Jahren sorgen die Autonomen als linksradikale Fraktion der Friedens-, Anti-Atomkraft-, Frauen-, Hausbesetzer- u. a. Bewegungen und schließlich seit der Wiedereinigung vor allem durch ihre Antifa-Aktivitäten für Aufsehen. Doch in der Öffentlichkeit werden sie hauptsächlich als „Gewalttäter“ wahrgenommen. Für welche Inhalte Autonome eigentlich stehen, woher sie kommen und was sie wollen, wird in der Berichterstattung selten erwähnt. Eine differenzierte Forschung dazu fehlt bis heute. Die im Kern etwa 8-10.000 Menschen umfassende Szene gilt als die am schwersten zu erforschende Szene überhaupt. Dieses Buch lässt nun neben zahlreichen ExpertInnen erstmals in 20 biographischen Gesprächen diejenigen selbst zu Wort kommen, die sich dazugehörig fühl(t)en.

Frei.Wild - Südtirols konservative Antifaschisten

Klaus Farin, 2015, Archiv der Jugendkulturen Verlag KG

Frei·Wild provoziert und polarisiert die öffentliche Meinung wie keine andere deutschsprachige Band, aber kaum eine andere ist derzeit auch so erfolgreich. Klaus Farin hat nicht nur die vier Musiker zwei Jahre lang immer wieder getroffen, sie auf Tour begleitet und zu Hause in Südtirol besucht, sondern auch mehr als 4.000 Fans der Band befragt, mit Historikern und Musikwissenschaftlern, 59 weiteren Deutschrock-Bands und vielen anderen KünstlerInnen und Frei·Wild-KritikerInnen gesprochen sowie biografische Gespräche mit Angehörigen und Aussteigern aus der rechtsextremen Szene u. a. zur Funktion von Musik in der rechten Szene geführt. So ist dieses Buch nicht nur eine Band-Biografie geworden, sondern zugleich auch eine der größten Fan-Studien, eine Auseinandersetzung mit dem neu erwachten Regionalismus in Europa und der Wirkung und Bedeutung von Musik, mit Mediendarstellungen und Vorurteilen. Eine Heimatgeschichte der besonderen Art zwischen Rock’n’Roll und Patriotismus, Freiheit und Faschismus, Glaube und Popkultur.

Hilfe, ich bin Helfer!

Simone Hinterecker, Frederic Moes, Ingrid Müller, 2015, St. Pölten, new academic press

Über Risiken und Nebenwirkungen in der Sozialen Arbeit „Hilfe, ich bin Helfer!“ ist eine populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Risiken in der Sozialen Arbeit. Rund um einen realen Jugendamtsfall, der anonymisiert und um fiktionale Informationen erweitert wurde, spielt die Geschichte von Kurt Guttman und seiner Praktikantin Rita Emsenhuber. Humorvoll wird in der Geschichte immer wieder auf Risiken hingewiesen und die LeserInnen erhalten auch theoretische Inputs, die sich an der Praxis orientieren. Aufgepeppt mit Grafiken, rund um das Thema Case Mananagement, haben die AutorInnen nicht nur ein Handbuch für die Praxis der Sozialen Arbeit, sondern vielmehr ein leicht lesbares Buch für jede/n Interessierte/n geschrieben, und machen so die Soziale Arbeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Jugend ermöglichen

Böhnisch Lothar, Plakolm Leonhard, Waechter Natalia (Hg.), 2015, Mandelbaum

In diesem Sammelband "Zur Geschichte der Jugendarbeit in Wien" befassen sich 20 AutorInnen aus Wissenschaft, Publizistik und Praxis mit den Vorstellungen von Jugend und den Diskursen über die sich ständig wandelnde Arbeit mit Jugendlichent. Zentral erscheint dabei das permanente Spannungsfeld zwischen dem Aufbegehren der Jugendlichen einerseits und der kommunalen Ordnungspolitik andererseits. Das Buch reicht in die Gegenwart mit den Themen Integration/Inklusion, informelles Lernen, Streetwork und Medienpädagogik.

Offene Jugendarbeit in der Steiermark

Steirischer Dachverband der Offenen Jugendarbeit (Hrsg.), 2015, 1. Auflage, Graz, Verlag für Jugendarbeit und Jugendpolitik

Diese Publikation ist eine Sammlung von bereits erschienenen Textbeiträgen der Zeitschrift "jugend inside", die vom Steirischen Dachverband der Offenen Jugendarbeit herausgegeben wird. Sie soll einen gebündelten Überblick und Rückblick über inhaltliche Auseinandersetzungen zu unterschiedlichen Bereichen und Themen im Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit in der Steiermark der letzten Jahre geben. Anlass dazu sind das 15. Erscheinungsjahr der Zeitschrift "jugend inside" und das 30-jährige Bestehen des Steirischen Dachverbands der Offenen Jugendarbeit.

Verleitung zur Unruhe: Zur Hölle mit den Optimisten

Bernhard Heinzlmaier, 2015, 1. Auflage, Salzburg, Ecowin

"Diese Pflicht zum Optimismus gibt es in erster Linie deswegen, damit Kritik verunmöglicht wird!" Diesen Optimismus versucht der Autor in diesem Buch zu "geißeln", wie er selbst sagt. Als Philologe seit zwei Jahrzehnten in der Jugendforschung tätig, weiß Bernhard Heinzlmaier, wo die Rebellion beginnt: Und zwar im Kopf! Während die 1960er Jahre die Zeit der „heißen“ Generation und des aktiven Protests symbolisieren, beschränkt sich der heutige Demonstrationsgeist vielmehr auf die Demonstration von Coolness. Der Autor stellt die Angepasstheit der Generation „cool" in Frage und setzt dieser Agonie seine ganz persönlichen Taktiken entgegen. Heinzlmaier verweist auf Strategien, die uns eine Flucht vor dem steigenden Kontroll- und Steuerungsverlangen der Außenwelt ermöglichen; der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, denn es gilt die eigenen Lebenswelten persönlicher Freiheit zu entdecken...

bOJA, Lilienbrunngasse 18/2/47, 1020 Wien, boja@boja.at