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Passive DemokratInnen

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In ihrem neuen Dossier beschäftigt sich Dr. Beate Großegger/jugendkultur.at mit dem Politikverständnis und der Engagementbereitschaft Jugendlicher. Jugendliche sind überzeugte, aber dennoch passive DemokratInnen. Laut Shell Jugendstudie 2010 sagen rund drei Viertel der deutschen Jugendlichen, sich in Politik einzumischen sei „out“.



Nur 3% geben an, in der Freizeit oft für soziale und politische Veränderungen aktiv zu sein, 17% sind das eigenen Angaben zu Folge gelegentlich, 80% werden hingegen nie für soziale und politische Veränderungen aktiv.

Auch politisches Informationsinteresse ist für die breite Mehrheit kein Thema: Nur 33% der Jugendlichen informieren sich aktiv darüber, was in der Politik los ist.


Eine vom Institut für Jugendkulturforschung als Eigenstudie durchgeführte Exploration zum Thema „Was erwarten sich 14- bis 19-Jährige von Politik?“ bestätigt diesen Befund und zeigt, warum dies – zumindest aus Sicht Jugendlicher – nicht verwundern sollte.

Studien-Steckbrief:

  • Die im Rahmen der eigenfinanzierten Grundlagenforschung des Instituts für Jugendkulturforschung durchgeführte Exploration beinhaltet 24 qualitative Online-Interviews mit 14- bis 19-Jährigen bundesweit sowie 1 Gruppendiskussion mit 15- bis 19-Jährigen aus Niederösterreich und Wien.
  • Insgesamt nahmen 34 Jugendliche, davon 16 Jugendliche mit niedriger und mittlerer Bildung (Hauptschule, Polytechnische Schule, BMS, Lehre, AMS-Schulung mit Pflichtschulabschluss) sowie 18 Jugendliche mit höherer Bildung (AHS, BHS, Studium), an der Studie teil.
  • Ergänzend dazu wurde im Rahmen der vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführten repräsentativen ErstwählerInnen-Nachwahlbefragung zur Wien-Wahl 2010 eine Einfrage zur Nutzung von TV-Wahlberichterstattung gestellt sowie mittels Mystery-Mail-Methode ein Test, wie PolitikerInnen auf Email-Anfragen junger BürgerInnen reagieren, durchgeführt. Feldzeit: Sommer/Herbst 2010.


Politische Information spielt im Alltag breiter Mehrheiten keine vorrangige Rolle. Viele sind lediglich vor Wahlen oder bei politischen Großereignissen, von denen sie selbst konkret betroffen sind, zu erreichen. Sarah ist hierfür ein gutes Beispiel: Sie ist 16 Jahre, besucht ein Gymnasium, war im letzten Jahr erstmals wahlberechtigt, ging bei der Landtagswahl selbstverständlich zur Wahl, gab eine gültige Stimme ab und sagt, angesprochen auf politische Information, dennoch ganz selbstbewusst: „Richtig verfolgen tu’ ich es jetzt nicht“. Und sie begründet dies auch: „Weil meistens kommt eh nichts raus.“

Österreichische Jugendliche wissen zwar zu schätzen, dass sie in einer Demokratie leben, doch sie üben harte Kritik an der „politischen Klasse“, ihre Skepsis gegenüber den politischen Institutionen ist anhaltend hoch und Mitbestimmungsmöglichkeiten in wichtigen politischen Fragen werden vielfach als defizitär erlebt. „Unsere Demokratie, das ist eine Pragmaten-Demokratie“, so bringt der 16-jährige Ananda die Sache auf den Punkt. „Alle Politiker wollen für sich das Beste und klügeln halt nicht wirklich aus, was sie rausbringen an Beschlüssen und Gesetzen.“

In einem Dossier zum Thema "passive DemokratInnen" bietet Dr. Beate Großegger nun eine Zusammenschau der wichtigsten Ergebnisse der Exploration des Instituts für Jugendkulturforschung sowie aktueller quantitativer Studien aus dem benachbarten Deutschland.

Aus dem Inhalt:

  • Politikinteresse Jugendlicher
  • Informationsverhalten
  • Politische Beteiligung und soziales Engagement
  • Online-Politisierung – ein frommer Wunsch?
  • Politikdistanz und Kritik an der politischen Klasse


Das Team von jugendkultur.at hofft mit diesem Dossier einen Beitrag zu leisten, um in der Debatte rund um „Jugend, Politik und Engagement“ Zugänge und Sichtweisen Jugendlicher stärker sichtbar zu machen, und wünscht eine interessante Lektüre.

Das Dossier ist ab sofort auch auf der Website von jugendkultur.at als Download verfügbar: http://www.jugendkultur.at/passive_demokratInnen.pdf