Jugendstudie Niederösterreich 2009
... erste Ergebnisse liegen vor!
Die NÖ Jugendstudie untersucht seit den späten 70er Jahren in 3jährigem Rhythmus die Meinungslage, Stimmungen, Hoffnungen, Ängste, Wünsche und Befindlichkeiten der jungen Mensche in unserem Land. Bei der aktuellen Jugendstudie 2009 wurden 2195 Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren und (erstmals) auch von 13 bis 15 Jahren eingebunden. Wichtige Partner (EVN, Eco-Plus, Wirtschaftskammer NÖ, Hypo Landesbank NÖ, Polizei) sind nicht nur als Unterstützer, sondern auch mit inhaltlichen Schwerpunkten bei der Jugendstudie eingebunden, denn bei der aktuellen Studie geht es intensiv um das Verhältnis der jungen Menschen zur realen Welt und damit auch zu den Themen Wirtschaftsleben und gesellschaftliche Realitäten. Im Kern geht es um sehr persönliche Dinge wie Zukunftsbilder, Partnerschaft und Werthaltungen, aber auch um kommunale Angebote für junge Menschen, Gefährdungspotentiale und den Gegensatz zwischen realer und virtueller Welt. Sie wird vom Sozialforscher Dr. Erich Brunmayr durchgeführt.
Ergebnisse
Von der realen zur virtuellen Welt
Bei den Jugendlichen vollzieht sich seit Jahren ein Trend von der realen zur virtuellen Wirklichkeit. Die täglichen Unterhaltungen werden von der virtuellen bzw. medialen Wirklichkeit dominiert. Im Vergleich dazu sind die Unternehmungen mit Freunden, Sport usw. deutlich schwächer positioniert. Die Freizeit verlagert sich von der Teilnahme und Mitwirkung in der realen Welt zur virtuellen Unterhaltung. So kommunizieren 77 % täglich per SMS, aber nur 36 % unternehmen täglich etwas mit Freunden. Der Trend liegt klar auf der Hand: Die Freizeit verlagert sich seit Jahren von der Teilnahme und Mitwirkung in der realen Welt zur virtuellen Unterhaltung. Parallel dazu hat sich auch das Wissen immer mehr auf die Medienwirklichkeit verlagert: Die Jugendlichen sind in der Medienwirklichkeit viel mehr zu Hause als in der realen Wirklichkeit. So ist das Wissen um Internet, Film und Fernsehen bei rund 70 % gut, während das Wissen um Wirtschaft bei nur 18 % liegt.
Deutlich erkennbar ist der Umstand, dass junge Menschen, die in Gemeinschaften eingebunden sind, sich deutlich stärker um die „realen Dinge des Lebens“ kümmern. Hier ist also ein starkes Engagement von Familie, Schule, Gemeinde und allen gemeinschaftsbildenden Vereinen und Institutionen gefordert.
Zukunftswünsche und Realisierungschancen
Die Zukunftswünsche der Jugendlichen sind durch den Wunsch nach familiärer Geborgenheit im eigenen Haus ausgerichtet. 80 % wünschen sich Haus und Garten, 68 % eine Partnerschaft, die bis ins hohe Alter hält. Die Wege, wie man diese Zukunftswünsche erreicht, sind aber widersprüchlich. Man weiß, was man gerne hätte, aber nicht, wie man es erreicht. Bei den Wertvorstellungen sind sehr bodenständige Werte wie Verlässlichkeit, Fleiß und persönlicher Erfolg hoch im Kurs. Hier gibt es durchwegs Zustimmung im Bereich von 80 %.
Zukunftshoffnungen und Gefahren
Besonders optimistisch bzw. zuversichtlich sind die Jugendlichen im Hinblick auf ihre eigene Zukunft und auf die Zukunft Niederösterreichs. 70 % schauen in diesen Aspekten zuversichtlich, nur 27 % eher besorgt in die Zukunft. Negativ bzw. besorgt sehen die Jugendlichen die Zukunft in den Punkten Umwelt- und Klimaprobleme, sichere Pensionen, Erholung der Wirtschaft und Wertbeständigkeit des Geldes. Kommunal integrierte Jugendliche sehen die Zukunft optimistischer, vor allem aber auch als spannendes persönliches Betätigungsfeld. Die integrierten, die vereinsmäßig aktiven und generell die Jugendlichen mit „dem vollen Terminkalender“ fühlen sich wesentlich gesünder als die passiv konsumierenden. Die aktiven jungen Menschen fühlen sich zu 74 %, die passiv konsumierenden nur zu 41% gesundheitlich „sehr wohl“. Im Schulvergleich fühlen sich die HTL-Schüler am gesündesten. Wer sein Leben aktiv im Griff hat, lebt gesünder!
Die 13- bis 15Jährigen Jugendlichen wünschen sich in erster Linie, dass es in ihrer Gemeinde öfter Veranstaltungen oder Konzerte auch für jüngere Jugendliche gibt. Sie wünschen sich auch mehr Sportmöglichkeiten und Vereine, die sich speziell an die Jüngeren richten. Sehr erwünscht sind bei den 13- bis 15Jährigen Räume, in denen sie außerhalb der Schule zusammensitzen können. Fahrten, die von der Gemeinde organisiert werden zum Schifahren, Baden, Wandern oder auch zu Konzerten werden gewünscht.
Die 15- bis 19Jährigen wünschen sich von der Politik in erster Linie weniger Budgetdefizit und Staatsschulden, die sie später zurückzahlen müssen. Die Studie zeigt die Notwendigkeit einer engagierten Förderung von Jugendtreffs. NÖ investiert daher in diesem Bereich. Bisher wurden bereits über 1.000 Jugendtreffs gefördert.
Konsequenzen für Jugendpolitik und Jugendarbeit
Wenn wir den Jugendlichen nicht hilfreiche außerschulische Erfahrungsräume und Gemeinschaften bieten, funktioniert die Einführung ins Leben, in das Gemeinwesen, den Staat und in die Demokratie nicht! Aber die Rezepte der 60er oder der 80er-Jahre funktionieren heute ganz sicher nur mehr bei einem immer kleiner werdenden Teil der Jugendlichen. Ein immer größer werdender Anteil muss neu angesprochen werden. Daher muss der Aufbau neuer Formen und Arbeitsweisen in der kommunalen Jugendarbeit erfolgen. Die Kommunikation und Kontaktnahme mit jungen Menschen muss eine zentrale Rolle spielen. Das Initiieren von starken und aktiven Partnerschaften zwischen Schulen, und kommunalen und regionalen Instanzen, Gemeinden, Betrieben, Kulturanbieter, Vereinen und Institutionen ist entscheidend.
Jugendlandesrat Mag. Johann Heuras zu den Ergebnissen der NÖ Jugendstudie: „Mit der Jugend müssen wir unser Land gestalten - denn die Kinder und Jugendlichen von heute sind die Entscheidungsträger von morgen. Die Beteiligung der jungen Menschen, das Akzeptieren von Meinungen und das Zulassen von Ideen ist der wesentlichste Grundpfeiler der Arbeit in den Gemeinden, Regionen, in Vereinen, Organisationen und auf Landesebene. Die Politik kann nur Rahmenbedingungen setzen, nur Unterstützungsstruktur sein, Aktivität und Initiative müssen von der Jugend selbst ausgehen. Partizipation, also Beteiligung, ist im Rahmen der Jugendpolitik das wichtigste Ziel. Die Anliegen und Inhalte kommen von der Jugend. Ein umfangreiches Angebot an Jugendbeteiligung und Jugendförderung in Niederösterreich ist die beste Vorsorge gegen negative Erscheinungen und Grundlage für eine gute Entwicklung unserer jungen Menschen und damit unserer gesamten Gesellschaft.“
Rückfragen: Landesjugendreferent Wolfgang Juterschnig, 0043/676/81213268
Die freigegebenen Teile der Jugendstudie gibt es hier als Download.



